Genereller Medien-„fehler“ zur Zeit

Die Zeit ist schnellebiger geworden und die Medien sind davon nicht ausgenommen: Jeder muss schnell seinen eigenen ersten Artikel schreiben. Deswegen kommt in kürzester Zeit alles mehrfach auf den Tisch.

Man liest auch nicht mehr nur eine Tageszeitung und schaut abends Tagesschau, sondern man klickt einmal auf zeit.de, einmal auf spiegel.de, einmal auf sz.de, einmal auf faz.de und dann liest man wahrscheinlich noch auf sozialen Netzwerken wenigstens die Überschriften aller anderen Medien. Diese große Beschallung, die erst zu dem empfundenen Krawall führt, gab es vor 10-15 Jahren noch nicht.

Wie könnte man dagegen vorgehen? Gerade die „großen“ informieren meist in immer wieder aktualisierten „Faktenartikeln“ über die Lage und kommentieren mehrfach und von allen Seiten aus. Für ein Medium alleine mag das gründlich und okay sein, aber von allen ist das recht hart. Vielleicht sollte man lieber zu Beginn nur Agenturmeldungen relativ unkommentiert durchrattern lassen und danach mit Bedacht von zwei oder drei Seiten auskommentieren? Vielleicht sollte man sich gerade in Zeiten, wo es mal wieder ein „mediale Sau im Dorf“ gibt, bewusst besonders auf andere Themen konzentrieren oder vielleicht was altes ausgraben (was passiert zur Zeit eigentlich in Mali?).

Immer in dasselbe Muster verfallen und dann Selbstkasteiungsartikel wie dieser hier sind auf Dauer auf jeden Fall nicht die Lösung.

(kopierter Kommentar zu diesem Artikel: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-04/Hoeness-Vorverurteilung-Steuerhinterziehung-Kommentar/komplettansicht)

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Ich habe eine Kommentar kommentiert…

Link zum Artikel:

http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-04/zypern-russen-eu-staatsbuergerschaft?commentstart=9#cid-2733029

Mein Kommentar als Antwort:

Ihr Argument…

…ist so kurzsichtig und ekelhaft gedacht, dass ich mich wirklich zwingen muss, überhaupt etwas zu schreiben, aber diese Einstellung darf nicht unkommentiert bleiben:

Alleine schon die Formulierung „der Staat nimmt sich die Hälfte von meinem Lohn“ ist grässlich und die meistbenutzte Ausrede für Steuerverbrecher: Der Staat ermöglicht Ihnen erst, ein Gehalt zu haben. Er stellt die Straßen bereit, die SIE nutzen, er hält kriminelle davon ab, IHNEN ihr GANZES Gehalt (und leben?) zu nehmen. Er hat eine Infrastruktur geschaffen, die es IHNEN ermöglicht, wenn SIE krank sind, einfach mal an der Gesundheit zu arbeiten. Die Liste ist endlos. Entsprechend ist es nur recht und billig, dass es Steuern gibt und ich finde es ekelhaft, wenn Menschen WIE SIE an den Grundfesten des Staates rütteln, weil es hip ist.

Da es Steuern geben muss, muss man sie gerecht eintreiben. Ich habe lustige Statistiken gesehen, wie viel Steuern dem Staat durch die Lappen gehen, wenn die oberen Zehntausend (setzen sie eine beliebige Floskel für „Reiche“ hier ein) keine oder zu wenig steuern zahlen. Wenn nämlich alle (auch die Starken) die Gemeinschaft stützen, dann muss jeder weniger tragen – dann sinkt auch die von Ihnen so gescholtene Steuerhöhe. WENN sie es nicht tun sollte, DANN ist es Zeit, Politiker zu feuern. Solange aber der gesamte Staat von den Mittelstarken bis Schwachen getragen werden muss, dann ist die Last auf diesen zu hoch. Leider geht das in diese Köpfe nicht rein.

Zahlen zur Kreativwirtschaft, Tatortautoren und Ähnlichem

Ich habe mal wieder einen Kommentar in den Weiten des Netzes hinterlassen, den ich hier Endlagern möchte.
Es geht wieder um das Urheberrecht und diesmal speziell um den offenen Brief von 51 Tatortautoren, der durch einen (sehr lesenswerten) offenen Brief von 51 Hackern des CCC beantwortet wurde. Mein Kommentar bezieht sich auf einen (in der Argumentationsstruktur recht generischen) Beitrag von Christoph Keese auf der Presseschauder.

Zuerst einmal volle Zustimmung zu TecoScr über mir. Zuerst dachte ich eigentlich, dass hier Hopfen und Malz und eine Antwort verloren ist, aber da schon eine Erwiderung mit guten Argumenten hier steht, kann ich ja noch was dazuarbeiten…
1) Wichtigster Punkt ist für mich: Wenn es Ungerechtigkeiten und Mängel im Rechtssystem gibt, dann ist mir (und gottseidank auch dem Rechtsstaat) egal, wie viele Menschen mit wie viel Geld vor wie vielen anderen Menschen mit wieviel Geld geschützt werden sollen. Also ist eigentlich schon die ganze Argumentation sinnlos und reine Zahlenpolemik. Es besteht natürlich die Grundannahme, dass es im UHG Ungerechtigkeiten und Mängel gibt, aber das setze ich mal als konsens voraus. Bei Bedarf gibts mehr Links.
2) Trotzdem möchte ich die Zahlen an einer besonders absurden Stelle mal auseinandernehmen, und zwar mit Ihren eigenen Argumenten: wieso erdreisten sich Vertreter von 60794 Angestellten der Filmbranche aus 18448 Unternehmen mit 8954 Mio€ Umsatz für die Kreativbranche zu sprechen und dabei die Probleme von 252656 Angestellen der Software-/Gamesindustrie aus 28801 Unternehmen mit 26409 Mio€ Umsatz unter den Teppich zu kehren, indem sie Ihnen keine Möglichkeit geben wollen, Ihre Arbeit wegen Trivialpatenten im gesicherten rechtlichen Raum durchzuführen? Zahlen sollte man aus der richtigen Richtung lesen. Wie groß die Pressebranche ist, ist für den Briefwechsel doch völlig irrelevant.

Der Vollständigkeit halber hier der Beitrag von TecoScr

Der Zahlensalat in Ihrem Posting erinnert vermutlich nicht nur mich an Rob Reids “The $8 billion iPod”.

Ohne die Validität Ihrer Zahlen in Frage zu stellen will ich nur darauf hinweisen, dass es keinen linearen Zusammenhang zwischen “Härte” des Urheberrechts und Jobs in der Kreativwirtschaft gibt. Anders formuliert: eine Verschärfung des Urheberrechts führt nicht zu mehr Jobs, ebenso wenig wie eine Entschärfung zu Jobverlusten führen würde. Es führt noch nicht einmal zwangsläufig zu mehr Einnahmen für die Künstler, oder zu mehr kreativen Output. Vermutlich sogar eher im Gegenteil, denn Schutzrechte auf immaterielle Güter verhindern derivative Werke. Hätte 1940 schon das heutige Urheberrecht gegolten, hätte Walt Disney bspw. nie Pinocchio drehen können (zumindest nicht ohne Collodis Erben auszuzahlen). Vermutlich wäre es seinem Film ähnlich ergangen wie FW Murnaus Nosferatu.

Das Urheberrecht hat rechtlich und ökonomisch zweifellos eine Berechtigung. Aber über seine Reichweite muss neu debattiert werden. (Anreiz-)ökonomisch lässt sich bspw. kaum begründen, dass ein heutiger Krimiautor oder Songtexter produktiver sei, wenn das Schutzrecht seiner Werke seinen Tod 95 Jahre überdauert, statt 70 oder einfach 0 Jahre. Ein so langes Schutzrecht dient nur den Erben und den Verwertern. Die wiederum sind aber nicht die Kreativen, für die das Schutzrecht einst geschaffen wurde.

In jedem Fall sollten Sie, Herr Keese, nicht den Fehler machen, allen Kritikern des geltenden Urheberrechts zu unterstellen, sie wollten es komplett abschaffen (der Hinweis geht aber keineswegs nur an Sie). Es geht nicht um Schwarz oder Weiß, sondern um Graustufen, konkret die Länge von Schutzfristen, die Reichweite von Schranken etc.

P.S.: Der Beitrag zum “The $8 billion iPod” ist sehr zu empfehlen!

Nachtrag, 6. April 2012
Auf die Nachfrage

@ Michael Rieß: Verständnisfrage: Inwieweit behindert die Filmbranche die Softwarebranche beim besseren Schutz ihres geistigen Eigentums?

habe ich unter dem Originalartikel geantwortet:

Sorry, grad erst wieder reingeschaut.
Die Filmbranche mit ihren starren Wünschen ans Urheberrecht behindert die Softwarebranche genau so, wie es der CCC schreibt: zu Beginn der Softwarepatente wurde viel Unfug patentiert bzw. geschützt (man denke an Äquivalente zur Patentierung des abgerundeten Rechtecks von Apple), unter anderem Programmbestandteile, die sich später als essenziell und generisch rausgestellt haben. Für Fortschritt ist es gerade im Softwarebereich wichtig, auf Effizienz zu achten und die Arbeit anderer aufzubauen, was aber durch die unglaublich langen Schutzzeiten erschwert wird. Wer weiß denn nich, wer vor 5 Jahren (oder so) das erste mal eine Multitouch-Geste programmiert hat? Einen Idee von den Konsequenzen bekommt man durch die ständigen Gerichtsfäle zwischen Apple, Microsoft, Nokia, Motorola und Samsung. Klar geht es da auch oft um Hardware, aber auch häufig genug um Steuer- oder Bedieneinheiten mit der enthaltenen Software.
Natürlich soll eine geniale Programmidee, auch wenn sie prinzipiell überall gebraucht wird, nicht direkt enteignet werden, aber ein zu langer Schutz bremst den Fortschritt.