„Mehrheit hält Medien für Korrupt“

Ich habe unter dem Beitrag „Mehrheit der Deutschen hält Medien für korrupt“ auf den Beitrag:

39. verständlich

wenn die medien zunehmend zu unterhaltungsformen mutieren, das schreiben was die leser hören wollen, journalisten in deren standpunkt durch den verlag beschränkt werden und ihren inhalt für klicks und werbeeinahmen anpassen.
die seriöse presse muss unabhängig von werbeeinahmen werden, das geht nur durch die einführung einer abgabe vergleichbar mit dem rundfunkbeitrag, jedoch mit strikteren bedingungen. aber das wiederrum würde der politik zu sehr schaden.

geantwortet:

172. Gerade der Rundfunkbeitrag ist ein schlechtes Beispiel…

Ihrem ersten Absatz kann ich uneingeschränkt zustimmen. Erst, wenn wieder der Eindruck gefestigt wurde, dass die Medien wirklich berichten und recherchieren, statt ihr Fähnchen schnellstmöglich in immer ein und denselben Wind zu hängen, wird das Ansehen wieder steigen.

Ihr zweiter Absatz kann aber nur bedingt so stehen bleiben, denn gerade in diesem Bereich haben die öffentlich-rechtlichen Sender viel zu dem negativen Gesamteindruck beigetragen, indem sie regelmäßig an prominenten Stellen auf die absolute Notwendigkeit und die super tolle Idee dieser Haushaltsabgabe (oder nennen wir sie Steuer?) aufmerksam gemacht haben. (Selbst-)Kritische Stimmen waren sehr leise, bis kaum zu hören: Sogar in den Tagesnachrichten! Das war ein Armutszeugnis und klares Indiz, dass bis zu den wirklich verlässlich unabhängigen Medien noch ein weiter Weg ist.

Die Printbranche muss sich jetzt aber nicht auf die Schulter klopfen: Das Leistungsschutzrecht war genau derselbe Fall: Keine (oder sehr leise) Berichterstattung über die Probleme, viel Hinweis auf die Notwendigkeit und den Nutzen. (besser: vermeintlichen Nutzen – immerhin zeigt sich durch Googles Sperraktion jetzt, dass es keinen Nutzen gibt: Auch darüber wird wenig berichtet – die Lex Google ist gescheitert und nur noch Bloggervernichtungsaktion!)

In den letzten 1-2 Jahren haben also ALLE Medieninstanzen gezeigt, dass sie sich im Zweifelsfall nicht um Informationen, sondern ihren Geldbeutel scheren. Auch daher kommt das schlechte Urteil.

Das Leistungsschutzrecht zerstört das Urheberrecht in den Grundfesten

Die Verlage möchten mit dem Leistungsschutzrecht ihre Leistung vergütet haben, selbst wenn sie aktiv daran teilnehmen, diese kostenlos zur Verfügung zu stellen. Der Kollateralschaden könnte enorm sein.
Kleinste Textstellen könnten abmahnfähig werden. Sogar Überschriften und Links, die ausreichend große Anteile der Überschrift enthalten, würden unter diesen absurd rigiden Schutz fallen.
Doch wenn es jetzt tatsächlich dazu kommen sollte und wider erwarten die Blogger nicht kollektiv aufhören, Texte zu verfassen, was passiert dann? Es wird sich ein Weg finden und die zwei offensichtlichsten sind für den Kern des Urheberrechts fatal:
1) Keine Verlinkungen und Zitate mehr in Blogs
Die drastischste Lösung wäre durchaus denkbar: Nutzer müssten dann für sich auswählen, wen sie als glaubwürdig empfinden, und dieser könnte zwar Gedanken anderer einfließen lassen, dies aber nicht kenntlich machen. Dies würde die Blogkultur zwar schwer treffen, aber die Zitatkultur und damit das Urheberrecht noch schwerer.
Der Grundgedanke einer Diskussion und derjenige, der ihn geäußert hat, werden unauffindbar und außer der Bezahlung wird ihnen auch die Anerkennung aberkannt. Mir als Wissenschaftler ist diese Vorstellung ein Graus und wider jeglichen Verständnisses: Aufgeschriebene Gedanken müssen diskutierbar und den Personen zuzuordnen sein.
2) Nur noch verkürzte Links und Generalreferenzen ohne wörtliche Zitate
Verkürzte Links enthalten keinesfalls Zeichen der Überschrift und sind damit ungefährlich. Die Gedanken der Texte werden nur noch sinngemäß wiedergegeben und unter dem Artikel ein »In diesem Text wurden Gedanken aus … verwendet.« eingefügt.
Gedanken wären zwar theoretisch nachvollziehbar, aber praktisch kaum auffindbar, Wortvergleiche unmöglich und noch nicht einmal im Link erkennbar, was hier eigentlich für Quellen genutzt wurden. Dies hat im Wesentlichen dieselben Auswirkungen wie die erste Möglichkeit und ist abzulehnen.
Das Leistungsschutzrecht greift also das Urheberrecht an seiner elementarsten Stelle an: Gedanken und Formlierungen werden vom Autor getrennt. Die in Blogs (im Gegensatz zu vielen Verlagserzeugnissen) gute Zitatkultur wird völlig zerstört.
Die noble Geste von SpOn und FAZ (Blogger nicht abmahnen zu wollen) ist leider nicht mehr als ein Strohfeuer, denn will ich mich auf das Wohlwollen eines Unternehmens verlassen, das mich bei Bedarf dann jederzeit verklagen kann? Sinnlos ist das Leistungsschutzrecht als »Lex Google« alle mal: Welcher Mensch bei Verstand ist nicht davon überzeugt, dass Google, wenn alle Stricke reißen, einfach die Verlinkung von deutschen Nachrichtenseiten einstellt?

In diesem Text wurden Gedanken aus http://j.mp/KcSx6o, http://j.mp/L5C1Lo, http://j.mp/L0jzgX und http://j.mp/LbZZnz verwendet.