YouTube und GEMA – ein paar Zahlen

Viel wurde in den letzten Zahlen über die Einnahmen, Gewinnausschüttungen und Vorstandsgehälter der GEMA gesprochen. Diese Zahlen und ein paar mehr, die hier jetzt keine Rolle spielen findet man unter:
Geschäftsbericht der GEMA

Eine externe Sicht relativiert hierbei zusätzlich ein bisschen die Perspektive auf den Streit und das Urteil vom letzten Freitag: http://www.techdirt.com/articles/20120420/11573918587/huh-totally-clueless-german-court-says-contentid-isnt-good-enough-youtube-must-block-infringement-keywords.shtml

Mir geht es um den Deal mit YouTube, bei dem sich meines Wissens zwei Positionen gegenüberstehen: Pauschale Abgabe von 10,25% der Werbeeinnahmen von GEMA-pflichtigen-Seiten als Angebot von YouTube und 0,006€ (oder 0,6% – von was?) Bezahlung pro Aufruf einer GEMA-pflichtigen-Seite als zusätzliche Forderung von der GEMA. (Quelle: stern.de)

Der von der GEMA geforderte Deal wurde schon von anderen Musik-Streaming-Diensten wie Spotify angenommen und eines der Hauptargumente in dieser Diskussion ist: Warum können die das Zahlen und der Platzhirsch YouTube weigert sich vehement, den armen Künstlern ihr wohl verdientes Geld zu geben?
Sicherlich ist YouTube (oder die Dachfirma Google) durchaus sehr zahlungskräftig, aber die Frage ist: Können die anderen es tatsächlich zahlen? Und hier ist zumindest in Teilen ein klares „Nein!“ angebracht: Spotify hat im Rahmen seiner über 2-jährigen Existenz noch keine schwarzen Zahlen geschrieben. (Quelle: venturebeat) natürlich will ein Unternehmen wie YouTube (bzw. Google) den Gewinn maximieren, aber es gibt zumindest starke Indizien, dass der Markt vielleicht die Forderungen der GEMA tatsächlich (noch) nicht hergibt. Dazu kommt, dass bei Spotify nur Musik und reine Musik zu hören ist, wogegen YouTube mit hoher Wahrscheinlichkeit auch für das berühmte Babyvideo mit Radio im Hintergrund zahlen müsste. Vielleicht muss sich die GEMA mal einen wirtschaftlichen Grundsatz zu Gemüte führen:
»Sind die Preise höher als erwirtschaftbar, wird jeder Zulieferer Pleite gehen, egal wie gut das Produkt ist.«

Weiterhin werden derzeit Videos gesperrt, also gehe ich davon aus, dass die GEMA momentan (seit 2009) YouTube keine Rechte einräumt und YouTube daher wohl auch keinen Cent überweist. Ich möchte mal die „Kosten“ durch die Verhandlungsdauer ins Spiel bringen, die sich wie folgt darstellen:

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Dies bedeutet, dass sogar dann, wenn sich YouTube und die GEMA bis Anfang 2013 auf einen Vertrag einigen sollten, der 50% mehr Einnahmen bringt als der von Anfang an vorgeschlagene Deal, 8 Jahre ins Land gehen, bis die GEMA auf plusminus Null rauskommt, wenn man eine direkte Unterzeichnung des Erstvorschlages dagegen rechnet.
Eine Planung auf diesen Zeitraum scheint mir momentan ebenso unwahrscheinlich wie eine Einigung auf einen um 50% erhöhten Abschluss. Welche Perspektive sollen die Verhandlungen denn dann im Interesse der Künstler bringen, wenn es unwahrscheinlich scheint, dass die Verhandlungsverluste erwirtschaftet werden können? Welche wirtschaftlichen Ziele werden hier verfolgt?