Das Leistungsschutzrecht zerstört das Urheberrecht in den Grundfesten

Die Verlage möchten mit dem Leistungsschutzrecht ihre Leistung vergütet haben, selbst wenn sie aktiv daran teilnehmen, diese kostenlos zur Verfügung zu stellen. Der Kollateralschaden könnte enorm sein.
Kleinste Textstellen könnten abmahnfähig werden. Sogar Überschriften und Links, die ausreichend große Anteile der Überschrift enthalten, würden unter diesen absurd rigiden Schutz fallen.
Doch wenn es jetzt tatsächlich dazu kommen sollte und wider erwarten die Blogger nicht kollektiv aufhören, Texte zu verfassen, was passiert dann? Es wird sich ein Weg finden und die zwei offensichtlichsten sind für den Kern des Urheberrechts fatal:
1) Keine Verlinkungen und Zitate mehr in Blogs
Die drastischste Lösung wäre durchaus denkbar: Nutzer müssten dann für sich auswählen, wen sie als glaubwürdig empfinden, und dieser könnte zwar Gedanken anderer einfließen lassen, dies aber nicht kenntlich machen. Dies würde die Blogkultur zwar schwer treffen, aber die Zitatkultur und damit das Urheberrecht noch schwerer.
Der Grundgedanke einer Diskussion und derjenige, der ihn geäußert hat, werden unauffindbar und außer der Bezahlung wird ihnen auch die Anerkennung aberkannt. Mir als Wissenschaftler ist diese Vorstellung ein Graus und wider jeglichen Verständnisses: Aufgeschriebene Gedanken müssen diskutierbar und den Personen zuzuordnen sein.
2) Nur noch verkürzte Links und Generalreferenzen ohne wörtliche Zitate
Verkürzte Links enthalten keinesfalls Zeichen der Überschrift und sind damit ungefährlich. Die Gedanken der Texte werden nur noch sinngemäß wiedergegeben und unter dem Artikel ein »In diesem Text wurden Gedanken aus … verwendet.« eingefügt.
Gedanken wären zwar theoretisch nachvollziehbar, aber praktisch kaum auffindbar, Wortvergleiche unmöglich und noch nicht einmal im Link erkennbar, was hier eigentlich für Quellen genutzt wurden. Dies hat im Wesentlichen dieselben Auswirkungen wie die erste Möglichkeit und ist abzulehnen.
Das Leistungsschutzrecht greift also das Urheberrecht an seiner elementarsten Stelle an: Gedanken und Formlierungen werden vom Autor getrennt. Die in Blogs (im Gegensatz zu vielen Verlagserzeugnissen) gute Zitatkultur wird völlig zerstört.
Die noble Geste von SpOn und FAZ (Blogger nicht abmahnen zu wollen) ist leider nicht mehr als ein Strohfeuer, denn will ich mich auf das Wohlwollen eines Unternehmens verlassen, das mich bei Bedarf dann jederzeit verklagen kann? Sinnlos ist das Leistungsschutzrecht als »Lex Google« alle mal: Welcher Mensch bei Verstand ist nicht davon überzeugt, dass Google, wenn alle Stricke reißen, einfach die Verlinkung von deutschen Nachrichtenseiten einstellt?

In diesem Text wurden Gedanken aus http://j.mp/KcSx6o, http://j.mp/L5C1Lo, http://j.mp/L0jzgX und http://j.mp/LbZZnz verwendet.